Elterliche Führung


Elterliche Führung

Im Paradigma der Verbundenheit leben wir natürlicherweise unsere Alpha-Position. Führung bedeutet hier, tief in Verbindung zu sein - in Verbindung mit uns selbst und in Verbindung mit unseren Kindern. Aber erst die Bindung autorisiert uns, die Kinder zu führen. Ihre Bindung an uns Erwachsene ist die Antwort der Kinder auf uns, wenn sie unsere Wärme spüren, die zu ihnen fließt. In dieser Wärme fühlen sie sich gesehen, müssen sich nicht kümmern und können sich geborgen fühlen. Gleichzeitig spüren sie, dass wir um ihre Würde und seelische Größe wissen. In dieser Atmosphäre können die Kinder sich in ihre Abhängigkeit von uns entspannen. Im Abhängigkeitsinstinkt folgen uns die Kinder mit offenem Herzen und reifen dem eigenen Rhythmus entsprechend heran. Unsere Kinder erfahren das Geburtsrecht jedes Menschen, einfach sein zu dürfen.

Führung im Paradigma der Verbundenheit ist fürsorgliche Führung und eine an eine höhere Stimmigkeit angebundene Führung. Diese Form von Führung weiß um die natürliche Hierarchie des Lebens. Ist eine gute Verbindung zu unseren Kindern da, spüren wir intuitiv, wo sie in ihrem Reifungsprozess stehen. Wir sehen, dass sie uns brauchen um ihre Gefühle, Zustände und Motivationen kennen zu lernen und um sich über uns zu regulieren. Kinder können zum Beispiel starke Gefühle oder beängstigende Erfahrungen ohne unsere Präsenz noch nicht verarbeiten. Außerdem übernehmen wir in den ersten 12-14 Jahren überall dort liebevoll Verantwortung, wo Kinder die Konsequenzen ihrer Handlungen noch nicht tragen können.

Als fürsorgliches und weises Alpha schauen wir eingestimmt und neugierig hinter das Verhalten der Kinder. Wir Wissen um das Wesen des Kindes und lassen uns von seinen manchmal sehr lauten und unreifen vordergründigen Verhaltensweisen nicht ablenken. Kinder sind davon abhängig, dass wir sie sehen. Und wenn wir dafür manchmal länger brauchen, nehmen sie unsere nachträgliche Korrektur großherzig an. Das Leben ist großherzig. Durch unsere einfühlsame Neugierde, sie in der Tiefe wieder und immer wieder neu sehen zu wollen, beginnen Kinder selbst so auf sich zu schauen. Diese einfühlsame, neugierig Selbstbeziehung ist ein großer Schlüssel für echte menschliche Verbundenheit.

Kinder orientieren sich immer an uns. Wenn wir ihnen aus Angst vor, oder Ablehnung von Hierarchie keine Orientierung geben, orientieren sie sich an unserer Nicht-Orientierung. Sie können nicht anders als den nicht ausgefüllten Alpha-Platz in der Bindungsbeziehung einnehmen und dominieren als sogenannte „Alpha-Kinder“ mit ihren kindlichen Wünschen und unreifen Bedürfnissen die ganze Familie, die anderen Kinder und das Geschehen. Es ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen. Wir wollen eigentlich bindungsorientiert sein und finden uns wieder in der Kindzentierung und einem sehr erschöpfenden Alltag. Der Kindzentrierung zugrunde liegt unsere Angst, dem Kind etwas anzutun, wenn wir unseren Raum einnehmen.

Manchmal verlieren wir unsere Kinder an Gleichaltrige, wo sie Orientierung in und an den anderen Kindern und Jugendlichen suchen. Gordon Neufeld beobachtete dieses Phänomen und nannte es „Peerorientation“. Unsere Kinder und Jugendliche an ihre Peers zu verlieren bringt viele enormen Herausforderungen mit sich und ist ebenso weit verbreitet wie das Phänomen der Alpha-Kinder. Beide Phänomene tragen maßgeblich an einer größeren Orientierungslosigkeit in unserer Kultur bei.


Unreife Kinder

Insbesondere unreife Kinder in den ersten 7 Lebensjahren dürsten regelrecht danach, von uns Orientierung zu erhalten. Die Unreife der Kinder zu begleiten bedeutet für uns Erwachsene nicht, dass wir aufhören, ihnen von ihrem Wesen her auf Augenhöhe zu begegnen. Es bedeutet vielmehr, dass wir ganz tief verstehen, dass ihr Gehirn emotional und sozial noch nicht gereift ist. Die höheren Funktionen des Gehirns der unreifen Kinder, der Präfrontallappen also, braucht Zeit und Schutz, damit sich sowohl die Feinfühligkeit als auch die echte Eigenständigkeit ausbilden kann.
Unreife Kinder sind eine besondere Herausforderung für unsere eigene Unreife. Wie schnell geraten wir im Kontakt mit ihnen unter Druck und Stress, wer kennt das nicht? Und wie ist es, wenn du dir jetzt einfach einmal vorstellst, ein fürsorgliches Alpha zu sein und wie gerne du von einem liebevollen Platz in dir deinem unreifen Kind Orientierung geben magst? Und wie du ihm liebevoll, langsam zeigst, wie man sich in dieser Kultur verhält? Und ist dir schon einmal aufgefallen, wie die ganz kleinen Krabbelkinder ständig zu uns schauen, wenn sie etwas Neues ausprobieren wollen, um zu erfahren, ob wir zustimmen oder nicht?

Je nach Reife- und Entwicklungsgrad der Kinder ändert sich die Art und Weise, wie wir ihnen Orientierung geben und Führung übernehmen. Wir unterscheiden zwischen drei großen Entwicklungsetappen: den unreifen Kindern bis 7 Jahre, den konkret-operativen Kindern bis circa 12-14 Jahre und den Jugendlichen. Mit zunehmendem Alter verfügt das Kind über mehr Reife und innere Struktur, um immer unabhängiger und autonomer zu werden.
Fühlen sich Kinder sicher, geborgen und in ihren Bedürfnissen gesehen, egal ob wir sie immer erfüllen oder nicht, folgen sie uns sehr gerne. Sie wissen ganz tief, dass unsere Entscheidungen für sie sind und vertrauen uns. Wir wollen uns gemeinsam neugierig auf den Weg machen und mutig werden, in uns wieder Orientierung zu finden für uns und unsere Kinder.

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