Elterliche Führung


Elterliche Führung

Kinder, insbesondere sogenannte “unreife Kinder” unter 7 Jahren brauchen Erwachsene, die ihnen liebevoll und klar Orientierung geben. 

Sie brauchen Erwachsene, die ihnen zeigen und vorleben, wie man sich verhält und wie unser soziales Miteinander funktioniert.  

Vor allem kleinere Kinder unter 7, sich noch nicht selbst regulieren können und deren emotionale Sicherheit vollständig von nahen Bindungspersonen abhängt, brauchen Erwachsene, die entspannt sind und es auch bleiben, wenn sie selbst in Stress kommen. Das kann nötig sein, wenn sie wütend werden, sich weh tun, ihren Willen nicht durchsetzen können, sich streiten, ihr Lieblingsteddy verloren geht, der Freund nichts mehr von ihnen wissen will und so weiter. 

Sie brauchen auch Erwachsene, die neugierig hinter ihr Verhalten schauen und sich nicht von den vordergründigen, manchmal sehr lauten und unreifen Verhaltensweisen ablenken lassen. Sie brauchen es, dass jemand sich auf sie einstimmt und die Bedürfnisse oder Botschaften hinter dem Verhalten beantwortet. Kinder fühlen sich emotional sicher und geborgen, wenn sie in ihren authentischen Bedürfnissen auch hinter ihrem Verhalten wahrgenommen und gesehen werden.  

Kinder hinter ihrem Verhalten zu sehen kann bedeuten, zu Wünschen oder Verhaltensweisen  “Nein” zu sagen. Dabei braucht das Kind aber, um sich emotional sicher zu fühlen, weiterhin unser “Ja” zu ihm als Wesen und zu seinen vielleicht starken Gefühlen. 

Den Kindern das zu schenken, verstehen wir unter “elterlicher Führung”.

Viele Eltern tun sich schwer damit, kraftvoll und klar die Führung zu übernehmen, weil sie fürchten, ihr Kind könnte sich “unter-Druck-gesetzt” oder “nicht-wahrgenommen” fühlen. Besonders wenn wir selbst in unserem Wesen nicht gesehen wurden und chronisch keine Einfühlung erfahren durften, tendieren wir zu einem Erziehungsstil, bei dem es uns schwer fällt, das grundlegende Bedürfnis unserer Kinder nach liebevoller und klarer Führung zu beantworten.

Kinder brauchen aber unsere Orientierung. Sie wollen sich bei uns anlehnen dürfen und sicher sein, dass sie von uns alles bekommen und lernen, was sie für ihre Entwicklung brauchen. Dazu gehören neben den Grundbedürfnissen und einer warmen Bindung auch Anleitung, Einführung in die Regeln unserer Kultur, die Klarheit, was sie dürfen und was nicht etc. 

Wenn wir aus Angst, ihnen etwas anzutun, keine Orientierung geben, löst das sehr viel Stress in ihnen aus. 

In dieser emotionalen Unsicherheit können sie nicht einfach “da-sein”, sich geborgen, umsorgt und abhängig fühlen und aus dieser Sicherheit heraus neugierig die Welt erforschen. Stattdessen müssen sie anfangen, sich zu kümmern - im wahrsten Sinne das Wortes als Not-Lösung - und übernehmen die Kontrolle. Diese sogenannten "Alpha-Kinder" übernehmen dann beispielsweise selbst die Rolle des einfühlsamen Versorgers oder die Rolle der Führung, in der sie dann herrisch mit ihren kindlichen Wünschen und unreifen Bedürfnissen die Familie, andere Kinder und oft das ganze Geschehen dominieren. Viele halten es auch nicht aus, wenn die Aufmerksamkeit nicht dauernd bei ihnen ist. Für Kinder, die sich in den "Alpha-Modus" geflüchtet haben, fühlt es sich emotional zu bedrohlich an, sich weich, neugierig, offen und verletzlich zu zeigen. Sie wollen immer die Kontrolle behalten, sind eher cool und unabhängig und lassen sich dadurch tatsächlich kaum noch führen. Dieses Phänomen ist weit verbreitet.

Unsere Absicht, Kindern durch Führung nichts antun zu wollen, ist im Kern oft gespeist von der Idee, dass sie es besser haben sollen als wir selbst. Dadurch finden wir uns in einer  “Kindzentrierung” mit extrem fordernden Kindern und einem erschöpfenden Alltag wieder.

Vor diesen Hintergründen wird vielleicht sichtbar, wie komplex das Thema elterliche Führung ist. In unserer Arbeit beschreibt es einen weiteren zentralen Dreh- und Angelpunkt auf dem Weg hin zu mehr Verbindung und Wärme zwischen Erwachsenen und Kindern. Wir unterscheiden hier zwischen Bindungsorientierung und Kindzentrierung. Um Kinder liebevoll und klar führen zu können, bedarf es einer Auseinandersetzung mit unserem eigenen Verhältnis zu Autorität, Hierarchie und Kraft.

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